Grodter Christus-Kapelle

Die in selbstloser Gemeinschaftsarbeit von September 1972 bis August 1973 auf höchstem freien Platz von der Ingoldinger Filiale erstellte neue Grodter Christus-Kapelle erhebt sich aus der gärtnerischen Umrahmung nach dem Plan des Architekten Anton Heber, Oberessendorf, mit dreieckig vorspringendem Dach, darüber über quadratischem Grundriss ein kegelförmiger Spitzturm mit abschließendem Kreuz.

Das saalartige Innere hat trapezförmigen Grundriß mit hellgrün verkleideter Chorwand, hinter der ein schmaler Raum für die Sakristei ausgespart ist. Der mit Marmorplatten neusachlich konstruierte Altar und Fußboden sowie die beiden Weihwasserkessel von Kessler und Dernbach, Aulendorf, die Parkett-Holzdecke von Hubert Heß, Ummendorf, das Gestühl von 12 Bänken von Hans Müller, Muttensweiler, haben als Lichtquellen links und rechts des Schiffs je 6 Fernster mit weiß, gelb, blau und rot getönten geometrischen Mustern von der Kunstglasfirma Peter Kretzer, Ravendburg.

An der Ostwand das klassizistische Kreuz mit Johannes. Die Spätbarock überarbeiteteMuttergottes auf der Mondsichel mit Schlüssel- und zagen Parallelfalten wohl von Nikolaus Weckmann geschnitzt und von Kändel (nach 1502) gefasst. An der Eingangswand links Statuetten SS. Bartholomäus und Jakobus, vom Verfasser Johann Eucharius Hermann (um 1702) zugeschrieben. Rechts die etwa 75 cm hohe Nachahmung des spätbarocken Wiesheilands (1736) mit Christus an der Säule, daneben ein spätmittelalterlicher, vollschlanker S. Sebastian, an Baumstamm gefesselt (um 1470) - vermutlich aus der ersten Grodter Kapelle.

Die gesicherte Altargruppe mit renoviertem Gehäuse enthält vor Goldgrund (75 cm breit, 90 cm hoch) im Landsknechtstil der bereits maniristischen Schlitzentracht eine Dornenkrönung Christi im Dreiviertelrelief. Der rechte Scherge mit weich fließendem Barett, geschlitztem Wams und Pluderhose hölt in der eine Hand Federsee-Rohrkolben, mit der andern presst er dem linken kahlköpfigen Landsknechjt mittels eines Prügels die Dornen in die blutende Stirn des knieenden Chrsitus, der höhnende letztere steck hzugelich einen Finger in den  Mund und ist im Solde Luzifers gekennzeichnet durch große abstehende Ohren wie Teufelsfratzen an recheter Schulter und Knie.

Stilistisch haben wir zeitgeschichtliche Parallelen im ausdrucksvollen Relief einer Kreuzigungsgruppe an der Tabernakeltür der Wattenweiler Kapelle mit den beiden, um die Balken sich krümmenden Schächern.